Archiv der Kategorie Weitergehen + Wachsen

Der Wachstumspfad (2)

Ein kostbarer Glauben - für jeden gleich.

Als erstes sagt Petrus: Wir haben einen kostbaren Glauben geschenkt bekommen. Wir glauben an Jesus Christus. Dieser Glaube hat ein sehr großes Potential und eröffnet erstaunliche und gewaltige Möglichkeiten! Unser Glaube ist kostbar, denn durch ihn haben wir ewiges Leben, können Krankheiten geheilt, jede Macht der Finsternis überwunden oder die Weltgeschichte beeinflusst werden.

Jesus hat sogar gesagt: “Dem Glaubenden ist alles möglich” (Mk 9,23).

Petrus schreibt hier an Leute, die einen “gleich kostbaren Glauben” wie er empfangen haben. Petrus und die anderen Apostel hatten kein Insider-Wissen, das sie in die Lage versetzte viel mehr zu empfangen als unsereins. Klar: vieles ist im Verlauf der Kirchengeschichte verloren gegangen, aber wir leben jetzt in einer Zeit in der die Wiederherstellung der Gemeinde Jesu schon recht weit fortgeschritten ist. Das Argument des Informationsvorsprungs zieht heute immer weniger. Alles, was Petrus wusste können wir auch erfahren: Durch die Bibel und durch den Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit leitet.

Es gibt keinen Spezialglauben, den nur wenige besonders berufene Leute empfangen können. Wir haben einen gleich kostbaren Glauben geschenkt bekommen. - Leider scheint das aber nicht immer so zu funktionieren und vieles von dem, was uns eigentlich gehört, bleibt reines Wunschdenken. - Etwas flüchtiges und irreales.

Viele Christen (warum nicht alle?) sehnen sich ja nach mehr von Gott. Ich jedenfalls will Dinge wie Heilung, Befreiung, Gegenwart und Leitung des Heiligen Geistes, Frieden, Freude und Kraft erleben. Und dieser Wunsch ist völlig berechtigt, denn schließlich sagt die Bibel ja auch hier, dass diese Dinge in Reich Gottes vorhanden sind und von jedermann empfangen werden können.

Die Bibel und konsequenterweise auch unsere Lehre betont, dass wir mit Jesus alles bekommen haben. Aber wo ist der Weg in diese ganze Fülle? Was sind die Schritte, die man mit Gott gehen muss?

Zuerst sagt auch Petrus hier: (V3) “Alles was wir brauchen, um ein Leben zu führen, wie es Gott gefällt, hat uns Christus geschenkt …”

Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat … damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, …

 

Durch die Erkenntnis Gottes …

Durch die Erkenntnis Gottes bekommen wir alles, denn wir bekommen durch sie einen Anteil an Gott selber. Das hört sich sehr theoretisch an, ist aber sehr einfach zu verstehen. Weil es eine wichtige Lehre der Bibel ist, wird schon im ersten Buch Mose eine sehr schöne Geschichte erzählt, die den Zusammenhang erklärt. Diese Geschichte hat sich wirklich zugetragen und steht nicht in der Bibel, weil es eine sehr schöne Geschichte ist, sondern weil Gott damit etwas “offenbart” hat. Wenn wir den Sinn dieser Geschichte verstehen, lernen wir etwas über Gott. Es ist die Geschichte von Josef und seinen Brüdern (1.Mose Kapitel 37 bis 50). Ich will hier nicht die ganze Geschichte erzählen, mir geht es hier um das, was in Kapitel 45 berichtet wird.

Josef war von seinen Brüdern an Sklavenhändler verkauft worden und landete schließlich in Ägypten. Nachdem er dort Höhen und Tiefen durchlebt hatte, wurde er einer der einflussreichsten Männer nach dem Pharao. Durch eine Führung Gottes entwickelte er einen Plan der Ägypten (und schließlich auch seine eigene Familie) vor einer katastrophalen Hungersnot bewahrte, die sieben Jahre andauerte. Seine Brüder kamen wegen der Hungersnot nach Ägypten, um Getreide zu kaufen. Josef fasste sie hart an und gab sich ihnen nicht zu erkennen. Er zwang sie ein weiteres Mal nach Ägypten zum ihm zu kommen und den jüngsten der Brüder (Benjamin) mitzubringen. Nun standen die Brüder wieder vor Josef und es wird deutlich, dass sie lieber sterben wollten, als noch einmal einen ihrer Brüder zu verlassen oder gar zu verkaufen. Das bewegte Josef sehr und er erbarmte sich über seine Brüder und gab sich ihnen zu erkennen.

Dadurch verwandelte sich die Situation völlig. Aus den armen bettelnden Gestalten vor dem hochgestellten Mann, der die rechte Hand des Pharaos war, wurden plötzlich Brüder dieses Mannes. Sobald die Brüder von Josef erkannten, dass der hochgestellte Mann ihr Bruder war, war für sie zweifelsfrei klar, dass …

… Josef sich nun entweder über sie erbarmen würde und sie auf seine Ebene gehoben werden würden oder Josef sie umbringen lassen würde. Etwas anderes schien nicht mehr möglich. Obwohl Josef sehr deutlich machte, dass er seinen Brüdern vergab verschwand die Furcht nur sehr langsam aus ihnen. 

… sie nun in der Hand dessen waren, den sie früher wie ein Stück Dreck behandelt hatten. 

… alle Resourcen (Vorräte und die Möglichkeiten der Macht des Pharaos) Ägyptens ihnen nun zur Verfügung standen, weil Josef ihnen vergeben hatte. So hatten sie sich von Bittstellern zu Brüdern und Teilhabern verwandelt ohne dabei über Josef zu stehen.

 

Indem sie erkannten, wer Josef war, verwandelte sich ihre Situation völlig!

Genauso ist es auch mit der Erkenntnis Gottes. Deshalb sagt auch der Apostel Johannes:

Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, daß wir, wenn es (andere Üb. “er”) offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist.(Joh 3,2.3)

Wenn wir Jesus sehen wie er ist, werden wir Ihm ähnlich. Das ist die „Erkenntnis Gottes“, die mehr ist als Wissen. Gott gibt uns diese Erkenntnis, so dass wir einen Einblick haben in die unsichtbare Welt und Ihn kennenlernen. Diese Erkenntnis, die Gott schenkt heißt auch „Offenbarung“.

Der Apostel Petrus redet im ersten Kapitel seines ersten Briefs von Dingen in die selbst die Engel gerne Einblick bekommen wollen, nämlich in das Evangelium, das in der Kraft des Heiligen Geistes verkündet wird. Und dann ermahnt er alle Christen bei dieser wunderbaren Erkenntnis Gottes zu bleiben und völlig auf sie zu vertrauen. Eben auf die Erkenntnis Gottes, die aus dem Evangelium kommt, wenn es im Heiligen Geist gepredigt wird.

Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern und hofft völlig auf die Gnade, die euch gebracht wird in der Offenbarung Jesu Christi! Als Kinder des Gehorsams paßt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit herrschten, sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig!

(1.Petr 1,13.14)

Der etwas seltsame Ausdruck “umgürtet die Lenden eurer Gesinnung” stammt aus der Antike wo man das Gewand mit dem Gürtel zusammenraffte, um besser laufen zu können. Es bedeutet sinngemäß: “Rafft euch auf, macht euch bereit”.

Der Wachstumspfad (1)

Gott antwortet im Wald.

Im November 1994 war ich auf einem einwöchigen Seminar der Bibelschule “Glaubenszentrum Bad Gandersheim”. Ich war noch nicht lange Christ und besuchte eine eher traditionell eingestellte Gemeinde. Gerade hatte ich auf diesem Seminar neue Hoffnung geschöpft, dass man das, was die Bibel beschreibt persönlich und kraftvoll erfahren kann. Ich wollte sehen, dass sich mein Leben verändert, ich wollte Dinge tun, die sinnvoll sind, einen Wert sogar für die Ewigkeit haben. Ich wollte erleben, dass Gott klare Antworten auf das schlichte Gebet des Glaubens gibt, dass er eingreift, wo ich Hilfe brauche. Ich wollte die übernatürlichen Wirkungen des Heiligen Geistes, die im ersten Brief an die Korinther beschrieben werden, selber erleben. Bisher hatte ich immer nur weit auseinander liegende Begegnungen mit Gott gehabt. Momente nach denen man einfach weiß: Gott hat zu mir gesprochen oder Er hat mir geholfen. Aber mir wurde immer deutlicher: Es reicht nicht, immer mal wieder in eine kurze Begegnung mit Gott hineinzustolpern. Es reicht nicht etwas zu “haben” - ich „habe“ die Wiedergeburt (Joh 3), ich „habe“ die Taufe im Heiligen Geist, … Wenn Gott wirklich Gott ist, dann kann man Gott nicht “haben”. Entscheidend ist statt dessen, wie gut meine Beziehung zu Ihm ist und wie nahe ich Ihm bin. Wie kommt man aber auf einen Weg, der die Beziehung mit Gott immer weiter vertieft? Wie komme ich weg von dem Gott, der nur ganz selten mal auftaucht hin zu einem erfüllten Leben in dem Gott gegenwärtig ist und wie komme ich zu einem stabilen Lebenswandel im Gehorsam gegenüber Gott?

Mit dem dringenden Verlangen eine Antwort von Gott zu bekommen, ging ich in den Bad Gandersheimer Wald, um in Ruhe zu beten. Es war ein nasskaltes Wetter und es dämmerte schon. Ich war zuversichtlich eine Antwort zu bekommen, denn ich wusste aus der Bibel, dass meine Bitte mit dem Willen Gottes übereinstimmt. So konnte ich nachdrücklich und mit Zuversicht (Glauben) beten: “Gott wie ist Dein Weg? Ich will es wissen!” Es ist ein großer Unterschied, ob man nur zaghaft ein bisschen bettelt im Gebet oder ob man - mit Gottesfurcht - kühn vor Gott auftreten kann, weil man weiß, dass Gott das was man erbittet in seinem heiligen Wort versprochen hat und er zu seinem Wort auch stehen wird. So bekam auch ich meine Antwort. Ungewöhnlich deutlich hatte ich den Eindruck das erste Kapitel des zweiten Briefes von Petrus zu lesen. Meine Bibel hatte ich im Wald dabei. (Man sollte immer eine dabei haben, wenn man Gott um Antwort bittet, denn die allermeisten Antworten hat Gott schon längst in seinem Wort gegeben.) Ich konnte in der Dämmerung die Buchstaben kaum noch sehen und ich las:

 

Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, denen, die einen gleich kostbaren Glauben mit uns empfangen haben durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilandes Jesus Christus: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil in der Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn!

Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch seine eigene Herrlichkeit und Tugend, durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch sie Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben, das durch die Begierde in der Welt ist, entflohen seid:

eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.

Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und wachsen, lassen sie euch im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht träge noch fruchtleer sein. Denn bei wem diese Dinge nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln. Denn so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.

Deshalb will ich Sorge tragen, euch immer an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wißt und in der bei euch vorhandenen Wahrheit befestigt seid. Ich halte es aber für recht, so lange ich in diesem Zelt bin, euch durch Erinnerung aufzuwecken, da ich weiß, daß das Ablegen meines Zeltes bald geschieht, wie auch unser Herr Jesus Christus mir kundgetan hat. Ich werde aber darauf bedacht sein, daß ihr auch nach meinem Abschied jederzeit imstande seid, euch diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen.(2.Petr1,1-15)

Durch diesen Text hat Gott mir einen Weg gezeigt. Seit diesem Abend im Wald bin ich über Jahre auf diesem Weg gegangen und kann Dir versichern: Dieser Weg führt Dich immer näher zu Gott.