Auf welcher Seite steht Gott?

Gehörst Du zu uns oder zu unseren Feinden? – Antwort: Nein

Und es geschah, als Josua bei Jericho war, da erhob er seine Augen und sah: und siehe, ein Mann stand ihm gegenüber, und sein Schwert war gezückt in seiner Hand. Da ging Josua auf ihn zu und sagte zu ihm: Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden? Und er sprach: Nein, sondern ich bin der Oberste des Heeres des HERRN; gerade jetzt bin ich gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde und huldigte ihm und sagte zu ihm: Was redet mein Herr zu seinem Knecht? Da sprach der Oberste des Heeres des HERRN zu Josua: Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heilig! Und Josua tat es. (Josua 5,13-15)

Das Volk Israel hatte den Jordan überschritten und war nach langer Zeit endlich vorbereitet, das verheißene Land einzunehmen. In dem Land, das Gott ihnen versprochen hatte, lebten verschiedene Volksstämme, die zum Teil extreme religiöse Kulte praktizierten. Josua war sich bewusst, dass es zu harten Auseinandersetzungen nicht nur mit diesen Volksstämmen, sondern auch mit deren Religion kommen würde, die damals „total angesagt“ war. Tatsächlich dauerte der Kampf mit den Kanaanitern nur kurz, während der Kampf mit Ihrem Glauben sich endlos über Generationen hinzog. Viele Israeliten übernahmen diese Weltanschauungen und Kulte, obwohl Gott das ausdrücklich verboten hatte.
Warum war Gott so gegen die „Bräuche“? Weil sie teilweise grausam waren, bis hin zum Töten von Kindern als Opfer und weil alles, was vom lebendigem Gott wegführt, der die Quelle des Lebens ist, zum Tod und zum Leiden führt. Und was sagt Gott in einem entscheidenden Moment dieser Auseinandersetzung, als er gefragt wird, auf welcher Seite er steht? „Nein …“

Gott will nicht für seine Sache kämpfen. Er hat es nicht nötig. Er ist schon immer Gott gewesen und wird es immer bleiben. Er kann über seine Feinde lachen (Ps 2,4). Er ist nicht für uns und gegen die „Anderen“. Er ergreift nicht Partei. Er ist für alle Menschen, weil er sie retten und heilen will. Das ist sein Anliegen. Und wenn wir auch mit diesem Anliegen beschäftigt sind, sehen wir, wie Gott dies unterstützt.

Die Antwort auf die einfache Frage „ Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?“ Ist überraschend: „Nein“. Dieses Nein hören alle, die glauben, sie können Gott vor ihren Karren spannen. Gott ist für dich, für uns und sogar für die Menschen, die ihn hassen. Er lässt die Sonne leuchten für Gerechte und Ungerechte.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist. (Mt 5,44-48)

Gott möchte nicht so eingreifen, dass ich den Nutzen habe und andere den Schaden haben. Er möchte auch nicht so handeln, dass ich recht behalte und es allen anderen mal gezeigt wird. Er macht auch gar nicht mit in dem ständigen Gerangel um die wenigen guten Plätze auf dieser Welt. Das heißt aber nicht, dass er nicht eingreift. Sein Name ist „Immanuel“ – Gott ist mit uns! (Mt 1,23)

Gerade jetzt bin ich gekommen

„… sondern ich bin der Oberste des Heeres des HERRN; gerade jetzt bin ich gekommen.“

Wenn Gott nicht kommt, um Partei zu ergreifen – wozu kommt er dann? Oder schaut er nur von Ferne zu? Das ist nicht der Fall: Er greift ein und kommt mit seinem ganzen Heer. Seine Gegenwart verändert alles: „gerade jetzt bin ich gekommen“! Er selber ist die Lösung und er hat mehr Gewicht als die Welt. Oft habe ich gewartet „bis Gott eingreift“. Fast immer vergebens. Erst, wenn die Probleme sehr drängend wurden, habe ich Gottes Gegenwart gesucht. Dort sind die Lösungen aller Probleme. Alles kommt aus seiner heiligen Gegenwart. Mitten in den ärgsten Problemen kann man durch Buße, Dank und Anbetung in die Gegenwart Gottes treten und dort gibt es Frieden. Alles scheint weit weniger schwierig, wenn man die Probleme von dort betrachtet. Es ist wie ein Besuch im Thronsaal. Vor seinem Thron stehe ich in Demut und mein Leben ist in seiner Hand. Von seinem Thron aus wird er sich auch meiner Sache annehmen, denn ich bin sein Kind.

In den Psalmen spricht David oft davon, wie er die Gegenwart Gottes aufgesucht hat. David kam, um „in seinem Tempel nachzudenken“ sich „in seiner Hütte zu bergen“ oder er schreibt, wie Gott sein Gebet und seinen Hilfeschrei „aus seinem Tempel gehört“ hat.

Jeder Mensch ist auf der Suche nach Lösungen für seine Schwierigkeiten, Mängel und Leiden. Es sind aktuell sechs Milliarden, die das tun. Das ist nichts Besonderes. Besonders und wertvoll in Gottes Augen sind die Wenigen, die in erster Linie Ihn suchen. Dann – d.h. danach – werden sie sehen, wie Gott eingreift. Der Herr begegnete Josua, der schon in der Wüste viel Zeit am Zelt der Begegnung verbracht hatte. Er suchte sein Leben lang die Gegenwart Gottes. Nun war wieder einer dieser großen Augenblicke da: „Gerade jetzt bin ich gekommen.“
Die Mauern Jerichos fielen dann durch den Lobpreis des Volkes Gottes und weil sie bereit waren etwas zu tun, was nicht nach direkter Problemlösung aussah. Sie zogen siebenmal um eine befestigte Stadt. Sie taten es einfach demütig im Gehorsam gegenüber Gottes Wort. So kommen die Lösungen aus dem, was Gott in seiner erfahrbaren Gegenwart sagt.
Wenn Gott das Problem zu groß ist, kann er nicht Gott sein. Wenn Gott nicht wichtiger, als deine Probleme und Bedürfnisse ist und du ihn nicht suchst, ist er nicht dein Gott.