Die ersten Werke: Gott lieben

Gott zu lieben ist das erste Gebot.

Er (Jesus) aber sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.» Dies ist das größte und erste Gebot. (Mt 22,37.38)

Wie liebt man einen unsichtbaren Gott? Es ist gar nicht so viel anders, wie unter Menschen. Es fängt damit an, dass man die Person sieht. Man „erkennt“ die zukünftige Partnerin oder den zukünftigen Partner und sieht etwas verheißungsvolles. Dinge, die man mag und die einem positiv auffallen. Man beginnt sich vorzustellen, wie es wäre mit dieser Person zu leben. So ist es auch mit Gott. Plötzlich sieht man, was für viele andere unsichtbar ist: Einen Gott, der alles geschaffen hat und gerade dich liebt und auserwählt hat. Einen Gott, der sehr verheißungsvoll ist. Der dir alles geben kann und in jeder Hinsicht perfekt und gut ist. So wenden wir uns Gott zu und suchen nach weiteren Begegnungen mit ihm.

Schlechtes Gewissen als Beziehungskiller?

Wenn man befreundet oder gar verliebt ist, vermeidet man Dinge, die dem anderen nicht gefallen oder ihn gar verletzten. Man ist motiviert etwas zu tun, was dem anderen Freude macht. Religion arbeitet mit einem schlechten Gewissen: Sollten wir nicht anders sein, anders leben und dies oder das tun „für Gott“? Oft werden besonders die Dinge betont, die der religiösen Organisation nützen, in der man sich befindet.
Jesus hat gesagt: Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; (Joh 14,15) Religion sagt zu dir: Wenn du mit Gott gehen willst, dann halte diese Gebote hier. Denn nur, wenn wir die Gebote halten, lieben wir Gott. Meist werden die Gebote dann, wie gesagt, an die Bedürfnisse der religiösen Gruppe oder Kirche angepasst. Die wiederkehrende Erfahrung ist, dass diese Denkweise der Beziehung zu Gott eher schadet als nützt. Es sät Misstrauen, Überforderung und Beschämung in die Beziehung. Lesen wir die Bibelstelle noch einmal im Zusammenhang:

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, daß er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch. Noch eine kleine Weile, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich: weil ich lebe, werdet auch ihr leben. An jenem Tag werdet ihr erkennen, daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. (Joh 14,15-21)

Jesus will uns nicht „verwaist zurücklassen“ und dann müssen wir uns abmühen, um doch noch eine Fahrkarte in den Himmel zu ergattern. Er kommt zu uns. Wir lernen ihn kennen und bekommen ein neues Leben!

Gott kennen – jede Beziehung hat zwei Seiten

Wenn du erkennst, dass du tatsächlich nicht irgendwer, sondern ein Kind Gottes bist, adoptiert und für immer aufgenommen in seine großartige Familie, dann wird dich das verändern. Natürlich hilft dein neuer Vater und deine neue Familie dabei, dass du gereinigt, befreit, gestärkt und ausgebildet wirst, aber der Anfang ist nicht der Entschluss sich mehr zu bemühen für Gott, sondern die Erkenntnis, dass es Gott ist, der nun in mir lebt und ich Anteil habe an seinem Leben. Ich bin und bleibe mit ihm zusammen, ich habe erkannt, es ist wahr, was Jesus gesagt hat: „daß ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch“.

Man könnte ganze Bücher schreiben, wie es ist, Gott zu lieben und mit ihm zu gehen. Es ist das wahre Leben. Das war auch schon die Erfahrung der ersten Jünger:
Es gibt aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wenn diese alle einzeln niedergeschrieben würden, so würde, scheint mir, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen. (Joh 21,25)

Genauso, wie jede Beziehung unter Menschen nicht lange bestehen wird, wenn sich nur einer darum bemüht und der andere gleichgültig ist, so ist es auch bei Gott: Wir sind motiviert alles dransetzten, damit wir in unserer neuen Identität leben. Der Geist Gottes ist in uns. Ich kann jeden Tag mit diesem neuen Geist in mir gehen oder ich kann mich gehen lassen und so leben, wie ich eben von Kind an geprägt wurde und wie es immer läuft auf dieser Welt. Durch den Heiligen Geist in mir und die Erlösung von aller Schuld habe ich jederzeit die Möglichkeit zwischen beiden Wegen zu wählen. Gott wartet nicht unbeteiligt ab und schaut, wie es laufen wird, denn er sehnt sich nach uns.

Oder meint ihr, daß die Schrift umsonst rede: «Eifersüchtig sehnt er sich nach dem Geist, den er in uns wohnen ließ»? (Jak 4,5)