Warum Gott sich so schlecht verkauft

Könnte Gott nicht etwas mehr tun, um seine Sache voranzubringen? Es wäre doch für Gott kein großes Ding: ein paar Heilungen mehr und die Gemeinde wäre voll und könnte einen Erweiterungsbau finanzieren. Aber irgendwie scheint er keinen Sinn für gutes Marketing zu haben – oder woran liegt es? Die einfache Antwort ist: Gott hat schon alles getan.

Gott will nichts bewirken

Jeder will andere beeinflussen, z.B. seine eigene Meinung und Überzeugung vertreten und verbreiten. Oder nur auf die eigene Bedürftigkeit hinweisen. Menschen sollen dazu bewegt werden Geld für eine Sache auszugeben, sich auf vorgegebene Ziele auszurichten oder Beachtung zu schenken. Das ist so in der Wirtschaft, in der Politik und in fast jeder Art von zwischenmenschlicher Beziehung – es ist der Versuch den Anderen zu irgendetwas nützlichem zu bewegen.

Die Triebkraft hinter all dem ist der Mangel, der alles in der Welt prägt. Der Mangel an Ressourcen, Zuwendung, Liebe, Frieden, Sicherheit … Daraus ergibt sich die Notwendigkeit den Nächsten „anzuzapfen“ oder auf der anderen Seite die Notwendigkeit sich vor dem „Angezapft-werden“ zu schützen und deshalb tätig zu werden.
Gott ist frei von alledem! Er geht die Extra-Meile, er hält die andere Wange hin, er nutzt nicht einmal seine Knechte aus, die sich ihm freiwillig zur Verfügung gestellt haben. Sein Denken ist uns auch in diesem Punkt erstmal fremd: Er will nichts bewirken, er will uns nicht für irgendwas verbiegen. Es geht nicht um irgendwelche Ziele und Taten im Reich Gottes. Er ist selbstlos! Er will uns nur deshalb ganz für sich, weil er uns liebt. Dies ist das einzige Motiv und Gott ist auch in diesem Punkt völlig rein.

Was hat Jesus getan, um der bekannteste Mann der Weltgeschichte und der Heiland der ganzen Welt zu werden? War es sinnvoll geplant und durchorganisiert? Effektiv? Strategisch gut? Daran kann man zweifeln. Seine Taten waren gar nicht auf ihn selber gerichtet, sondern es waren Taten aus Motiven wie Barmherzigkeit, Liebe, Wahrhaftigkeit, Ehrfurcht vor Gott … Sein Dienst war ohne Politik für Ihn selber!

Wie sehr wünschen wir, dass Gott mehr für seine Zwecke bewirkt! Dass er für seine Sache stärker eintritt. Aber Gott ist größer und reiner, als wir es uns vorstellen: Er braucht nicht mitzukämpfen in dem Kampfgetümmel dieser Welt. Er hat keinen Mangel und es gibt keinen Zweifel daran, dass er sein Ziel erreichen wird. Er braucht daher nicht ständig zu ackern und zu wirken, um mit seiner Sache gegen den Teufel durchzukommen. Er hat alles vollbracht und ruht nun von seinen Werken. In diesen Frieden können auch wir hineinkommen:

Also bleibt noch eine Sabbatruhe dem Volk Gottes übrig. Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ist auch zur Ruhe gelangt von seinen Werken wie Gott von seinen eigenen. Laßt uns nun eifrig sein, in jene Ruhe einzugehen, damit nicht jemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams falle! (Hebr 4,9-11)

Der Glauben richtet sich aktiv (hier steht „eifrig“) auf das, was Gott getan hat. So habe ich Frieden: Ich glaube, dass ich durch das Opfer von Jesus mit Gott im Reinen bin. Im Glauben vertraue ich mich Gott jeden Tag neu an und lassen mein Leben ein Stück weit los, indem ich mich durch sein Wort und seinen Geist leiten lasse. Alles ist ok., wenn mein großer Freund und Herr bei mir ist. Dies geschieht, wenn ich meine Gedanken und Motive auf Gott und sein Wort ausrichte. Ich strebe aktiv danach mit Gott von Herzen übereinzustimmen. Ich bleibe auf diese Weise in dem Geist Gottes und erfahre dann auch die Realität und Kraft seiner Gegenwart.

Ich will auch nichts bewirken

Ein großer Frieden und Segen für mich und andere liegt darin, niemanden beeinflussen zu müssen, nichts bewirken zu wollen für selbstsüchtige Zwecke. Das gilt besonders für das Zusammenleben in der Gemeinde. Der Nächste kann sich dann sehr wohl und sicher in meiner Nähe fühlen, weil er weiss, dass ich ihm Freiheit gebe und keinerlei Anspruch gegen ihn erhebe oder irgendeine Leistung oder Unterlassung von ihm fordere. So kann eine Gemeinschaft im Heiligen Geist entstehen, die wirklich das Reich Gottes widerspiegelt, in dem es keinen Mangel gibt. Die Gemeinde ist dann ein Ort wo jeder das beiträgt, was Gott ihm gegeben hat, statt ein Ort wie andere in der Welt zu sein, wo eine Vielzahl von Bedürfnissen und Anforderungen mühsam durch Kompromisse und Regeln (und Kämpfe) unter einen Hut gebracht werden müssen. Wo wenig gegenseitige Ansprüche erhoben werden, ist Frieden und Freiheit.

In diese Ruhe des Glaubens können auch wir hineingehen. In der Ruhe des Glaubens verspüre ich keinen Drang etwas zu bewirken, genauso wenig wie Gott, sondern in seinen Geist handle ich aus Erbarmen und Liebe ohne Berechnung und die Erfüllung von allem was Gott gesprochen hat findet sich in diesen vorbereiteten Werken. Das Wort Gottes erfüllt sich. Es wurde gesprochen und nun ruht Gott von seinem Werken. In seinem Geist erfüllt sich auch in meinem Leben das Wort Gottes – in der Ruhe des Glaubens.

Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen. (Eph 2,10)

Die Verführung: Den Namen des Herrn benutzen, um etwas zu bewirken.

Da Gott alles hat und wir so viel brauchen, liegt es nahe Gott anzuzapfen und für unsere Bedürfnisse zu nutzen. Das gilt besonders für das organisierte Christentum mit der Vielzahl an Problemen, Erfordernissen und nicht zuletzt dem hohen Bedarf an Finanzen, um all das Gute tun zu können. Und schwupdiwup: Zur Kirche gehen ist „Gottesdienst“ (es ist gut für die Kirche – also auch für Gott). Nachfolge bedeutet Geld spenden und den Rest kann man vergessen. Was für die Kirche gut ist, ist „für Gott“ und wer dabei ist und doch nicht alles toll findet, ist eine Art Ketzer. Eigentlich geht es um die Organisation, die Gemeinde oder die Kirche, aber um die Leute anzuzapfen muss es natürlich „für Gott“ sein. Leicht entwickelt sich eine Denkweise, die Gott so als Mittel zum Zweck sieht. Der Zweck ist gut – also ist es „für Gott“ und es wird als selbstverständlich angenommen, dass Gott dies alles unterstützen wird. Gott ist so das Mittel zum (guten) Zweck.

Judas wollte Jesus als Messias sehen, der Israel befreit. Als er sah, dass Jesus nicht in seinen Sinn wirken wollte, verriet er ihn. Gott zu „benutzen“ ist eine Dummheit. Alle Versuche Gott zu etwas zu bewegen und vor den eigenen Karren zu spannen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Gott hat sich nur einmal in die Hände der Menschen gegeben: Als Opfer am Kreuz. Er verkaufte sich nur einmal als Lösegeld für dich! Nun ist es vollbracht und die Tür steht offen. Du musst Gott nicht beraten, ihn anbetteln oder beeindrucken.

Niemals kann man Gott irgendwie lenken, auf den zweiten Platz versetzen oder beeinflussen. Alle, die das tun wollten sind in tiefste Finsternis gefallen: Satan, Judas, die Päpste des Mittelalters, die Leiter, die nur Ihre Organisation und Karriere im Kopf haben, wenn sie an Gott und sein Reich denken und schließlich über sich selber stolpern …
Wer Gott beeinflussen oder beraten oder „nutzen“ will, erhebt sich über Gott. Darum führen die Kraftanstrengungen, die darauf gerichtet sind „den Arm Gottes zu bewegen“ in die Depression und religiöse Bitterkeit. Ich habe es mehrmals miterlebt, wie bitter es ist, wenn ganze Gemeinden sich darauf versteifen, dass diese eine Person geheilt werden muss, dass dieses eine Projekt nicht scheitern darf usw. Dann wird Gott mit Fasten und Gebet bearbeitet – bis zur bitteren Enttäuschung. Weil es Überheblichkeit ist! Die Bibel sagt es klar:

Es gibt keine Weisheit und keine Einsicht und keinen Rat gegenüber dem HERRN. (Spr 21,30)

Also: Er gibt keine Methoden, oder Wege oder Ratschläge, die dazu führen, dass Gott so funktioniert, wie wir es wollen.

Freunde nutzen einander nicht aus

Die Freunde Gottes konnten und können Gott überreden! Abraham überredete Gott in Sachen Sodom und Gomorrah. Mose konnte Gott umstimmen, als der das Volk Israel vernichten wollte. Sie waren Freunde Gottes und konnten tatsächlich „den Arm Gottes bewegen“. Warum? Weil sie Freunde waren, die mit Gott reden konnten ohne ihn manipulieren zu wollen. Freunde wollen keinen „Einfluss ausüben“ oder einen Kuhhandel abschließen. Sie teilen ihr Herz in Freiheit Gott mit und Gott ist für sie offen.

Der Weg der Freundschaft ohne Hintergedanken ist weit besser als der Weg über religiöse Anstrengung. Auf den ersten Blick sieht es so aus als würde Gott die Menschen, die so angestrengt nach ihm suchen, hart abweisen und ihnen immer höhere Lasten auferlegen. Man fühlt sich wie ein Esel, dem immer eine Karotte hingehalten wird, die er nie bekommt. Man will doch von Gott geführt werden, etwas Sinnvolles tun, Frucht bringen und durchdringen zu Gott. Aber es führt höchstens zu kurzen Erlebnissen mit Gottes Gegenwart die oftmals völlig unerwartet und „unlogisch“ auftreten. Und immer, wenn man glaubt es geschafft zu haben, rutscht man wieder ab. Ist Gott grausam? Nein! Wir sind auf einem Weg unterwegs von dem Gott ausdrücklich gesagt hat, dass er nicht zu ihm führt! Spätestens, wenn man anfängt Gott anzuklagen und die Wut auf Ihn im Innern wächst, müsste man auf die Idee kommen, dass es nicht der Weg zu Gott sein kann.

Der Weg zu Gott steht offen. Er muss nicht mehr freigekämpft werden. Es ist ein Weg der Demut, des Vertrauens und der Freundschaft.