Rom – ist „Kirche“ ein Gebäude mit Turm?

In diesem Artikel geht es nicht um eine Verurteilung der katholischen Kirche. Wir haben auch Kontakt zu katholischen Christen, die wir sehr schätzen auch wenn wir etliche Lehren der katholischen Kirche nicht akzeptieren können, weil sie der Bibel klar widersprechen. Die geschichtlichen Ereignisse, die hier nur sehr kurz und oberflächlich angesprochen werden wirken bis heute und sind deshalb interessant – sie sind nicht interessant, um mit dem Finger auf irgend jemand zu zeigen. Die katholische Kirche – und besonders der vorige Papst Johannes Paul – hat viel zur Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der Geschichte des Christentums getan und damit neue Türen für die Einheit der Christen geöffnet. Ziel dieses Artikels ist es zu erklären, warum viele Menschen heute Christentum mit Kirche gleichsetzten und warum dies im Gegensatz zur urchristlichen Sichtweise steht, nach der Christentum in erster Linie ein Lebensstil und eine persönliche Beziehung zu Gott ist.

Ein kurzer Blick in die Kirchengeschichte

In den ersten etwa drei Jahrhunderten nach der Geburt von Jesus waren die Christen schweren Verfolgungen ausgesetzt. Die römische Staatsmacht verlangte, den Kaiser als Gott zu verehren. Außerdem gab es die wildesten Gerüchte über Christen; z.B. wurden sie beschuldigt, Menschenopfer zu essen. Das Gerücht entstand durch das christliche Abendmahl, an dem wir den “Leib Christi” essen. Es kam nicht nur dazu, dass die Christen ausgestoßen und beraubt wurden, sondern man versuchte auch systematisch die Leiter der Gemeinden zu töten. Es gab auch immer wieder extreme Verfolgungen, in denen Christen wahllos getötet, als Volksbelustigung wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen oder als lebende Fackeln verbrannt wurden.Dann trat eine schlagartige Veränderung ein, die das ganze “Christentum” total veränderte. Im Jahr 313 n. Chr. hörte die Verfolgung plötzlich auf und es verbreitete sich das Gerücht, Kaiser Konstantin selber würde sich als Christ bezeichnen. Im Jahr 306 n. Chr. war Konstantin zum Kaiser gekrönt worden. Das römische Reich war zu dieser Zeit von zahlreichen Bürgerkriegen geplagt, da mehrere Machthaber um die alleinige Macht im Reich kämpften. Konstantins Gegner war Maxentius. Sein Heer und die Armee Konstantins stießen an der Milvischen Brücke über den Tiber – in der Nähe von Rom – aufeinander. Konstantin war dem christlichen Glauben schon damals nicht abgeneigt, denn seine Frau Fauta war Christin. So kam es, dass Konstantin vor der entscheidenden Schlacht Gott um Hilfe bat, denn sein Sieg war keineswegs sicher. Die Überlieferung berichtet, dass Gott ihm eine Vision schenkte, in der er ein strahlendes Kreuz sah, auf dem geschrieben stand: “in diesem Zeichen wirst du siegen”. Er ließ das Zeichen, das er gesehen hatte, aus Gold und Edelsteinen nachbauen und verwendete es als Feldzeichen. Am 28. Oktober des Jahres 312 ging Konstantin siegreich aus der Schlacht hervor. Danach gab er offiziell bekannt, Christ zu sein.

Kirche und persönlicher Glauben

Dieses Ereignis hat bis heute sehr weitreichende Folgen, denn es führte letztendlich zu einer Verschmelzung des Christentums mit staatlicher Macht, die in stark abgeschwächter Form in manchen Ländern bis heute andauert. Wichtiger für uns heute: Von diesem Zeitpunkt an wandelte sich das Bild des Christentums von einer persönlichen Glaubensüberzeugung hin zu einer “Kirche” – einer Institution. Konstantin wollte auf der einen Seite dem verfolgten Christentum den Weg bahnen und auf der anderen Seite sah er im Christentum eine große Chance das bröckelnde römische Reich zusammen zu halten. Nach der jahrhundertelangen Verfolgung erschien den meisten Christen das ganze wie ein Wunder Gottes zur Befreiung der Gemeinde Jesu von der schrecklichen Verfolgung und als großartige Chance den christlichen Glauben zu verbreiten. Manche wehrten sich aber gegen die Vereinnahmung der Gemeinde für staatliche Zwecke. Schließlich hatte Jesus gesagt “mein Reich ist nicht von dieser Welt” und eine “göttliche Herrschaft” auf der Erde erst für seine Wiederkunft in Aussicht gestellt. Die Kritiker eines Christentums unter staatlicher Aufsicht und Förderung sahen in der Verbindung von Staatsmacht und Gemeinde Jesu einen Verrat am Glauben, weil die Bibel lehrt, dass die weltlichen Mächte zwar unseren Respekt und unsere Unterstützung bei der Aufrechterhaltung der Ordnung verdienen, aber letztendlich eben die Mächte “dieser Welt” sind. Die Apostel sprachen in diesem Zusammenhang von dem “gegenwärtigen bösen Zeitalter”. Konstantin förderte die christlichen Leiter, die mit ihm zusammenarbeiten wollten und die Kritiker wurden zunehmend ausgegrenzt. Er setzte auch eine Vereinheitlichung christlicher Lehrmeinungen durch, um “Einheit” zu schaffen. Im Jahr 321 wurde jeder Handel am ersten Tage der Woche verboten. Der erste Wochentag war zu dem Tag geworden an dem die meisten Versammlungen der Christen stattfanden. Um die Heiden im römischen Reich nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen, wurde er aber nicht zu einem christlichen Tag, sondern zum “Tag der Sonne” erklärt. Daher stammt der Name “Sonntag”. Konstantin gewährte auch eine gewisse Religionsfreiheit.

Das war alles nicht schlecht, aber es legte die Grundlage für eine Entwicklung, die den persönlichen Glauben an Jesus und das von der Bibel geprägte Christentum fast völlig zugrunde richten sollte. Die Dinge entwickelten sich von da an nur noch in eine Richtung. Missliebige Kirchenführer, die nicht dem Kaiser das Wort redeten wurden verbannt. Viele Menschen wurden “Christen” indem sie christliche Rituale übernahmen, denn dies war eine Voraussetzung, wenn man an einflussreiche Positionen kommen wollte. Immer mehr beugten die Christen nicht mehr die Knie vor Christus und dem Wort Gottes in der Bibel, sondern vor der staatlichen Macht. Immer mehr wurden Entscheidungen in der Kirche aus politischen Gesichtspunkten gefällt. Die Kirche war zu einer einflussreichen machtpolitischen Gruppe im römischen Reich geworden. Parallel dazu gerieten die Lehren der Apostel und die Heiligen Schriften immer mehr in der Hintergrund. Konstantin selber hatte zum Teil etwas abergläubische Vorstellungen vom christlichen Glauben. So ließ er sich erst kurz vor seinem Tod taufen, denn er sah in der Taufe eine wundersame Reinigung von allen Sünden und er wollte diese nicht durch neue Sünden wieder verlieren bevor er starb. Die entstehende “römische Kirche” wurde dann auf den zum Teil recht verworrenen Lehren verschiedener Leiter der alten Kirche aufgebaut, den so genannten “Kirchenvätern”. Das klare Fundament der Apostel wurde zwar nicht für ungültig erklärt, aber das Neue Testament war für eine Staatskirche nicht so recht als Programm geeignet.

Religion als Mittel der Unterdrückung

Da man ja eine Einheitskirche aufbauen wollte und man keinerlei kritische Fragen oder gar eine Vielfalt von Glaubensüberzeugungen dulden konnte, wurde es den “gewöhnlichen Gläubigen” sehr bald verwehrt die Bibel zu lesen. Die Gefahr sie “falsch zu verstehen” sein zu groß. Nur wer eine staatliche Lizenz dafür hatte zu lehren und wer sich ganz in die Staatskirche einfügte durfte sie lesen. Zeitweise war es sogar für Priester schwierig eine Genehmigung zum Lesen der Bibel zu erhalten. Wer sich nicht daran hielt, war ein Ketzer und je weiter die Zeit fortschritt desto mehr begab man sich in Lebensgefahr, wenn man etwas anderes glaubte als die offizielle Lehre der Kirche oder wenn man auch nur die Bibel selber lesen wollte. In späteren Jahrhunderten wurden die Gläubigen konsequent von der Bibel ferngehalten, indem man sie in der Kirche nur auf lateinisch las, das der Durchschnittsbürger nicht verstehen konnte. Bis heute glauben viele: Die Bibel ist schwer verständlich und nur mit theologischer Ausbildung zu lesen – alles andere ist angeblich sehr gefährlich.

Rituale statt Überzeugung

Auch die Taufe wurde stark verändert und in das neue Staatskirchenmodell eingefügt. Während sie ursprünglich die sichtbare Konsequenz einer persönlichen Umkehr und Hingabe an Christus war, wurde sie nun zu einem Ritual durch das man Christ wurde. Und da jeder Christ werden sollte und die römische Kirche zunehmend Macht über jedermann beanspruchte, musste auch jeder getauft werden. Man taufte nun die neugeborenen Kinder – auch mit dem Argument, dass es ja zu gefährlich sei sie nicht sofort zu taufen, da sie sonst womöglich sterben könnten ohne Christ zu sein und dann in die Hölle zu kämen. Als die “Christianisierung” Europas in der folgenden Jahrhunderten voranschritt, wurde natürlich auch viel Gutes bewirkt, aber es blieb letztendlich dabei: Kirche und staatliche Gewalt blieben verbunden. Wenn der Herrscher eines Landes Christ wurde, dann wurden eben alle Christen. Schließlich wurde die römische Kirche zu einer Art Weltmacht. Wer es auch nur wagte sie zu kritisieren, war schon so gut wie tot. Verschiedene seriöse Historiker haben geschätzt, dass die Inquisition und die Verfolgungen von Ketzern im Mittelalter insgesamt etwa 50 Millionen Tote gefordert haben (Quelle: Halley’s Bible Handbook 1979). Eine erschreckende Zahl und eine entsetzliche Katastrophe für den christlichen Glauben in dessen Namen diese Massenmorde geschahen. Um so wichtiger ist für uns heute klar auf dem Fundament der Bibel aufzubauen und nicht auf Traditionen, Aberglauben und religiösen Formeln.

Reformation und Trennung von Kirche und Staat

Auch die Reformation konnte an der Verbindung aus Kirche und Staat und der Taufe als bloße Formel zunächst nichts ändern. Die Loslösung aus der katholischen Kirche zur Zeit der Reformation war eine hochbrisante politische Frage, die schließlich zu jahrzehntelangem Krieg führte. Ergebnis dieses Kriegs war unter anderem: Der Landesherr darf entscheiden welcher Glaubensrichtung er und seine Untertanen angehören wollen (katholisch oder protestantisch). Die Reformatoren waren so von Anfang an gezwungen sich den staatlichen Landesfürsten zu unterstellen und eine staatlich kontrollierte Kirche zu bilden. Gerade auch Luther mischte kräftig mit auf der politischen Bühne. Daraus ergab sich wiederum der Zwang abweichende Splittergruppen, wie z.B. die Täufer (die die biblische Taufe praktizieren wollten) zu verfolgen und gewaltsam zu beseitigen. Sie stellten das Monopol der staatlich kontrollierten Kirche in Frage und drohten die staatliche Ordnung zu zerstören, denn staatliche Ordnung und kirchliche Ordnung waren ja nach wie vor eins.

Die Frucht der Verbindung von Staat und Kirche ist bitter

Alle diese Ereignisse gehören zu den beschämenden Tiefpunkten in der Geschichte des Christentums und prägen heute noch stark unser Bild vom christlichen Glauben. Die gute Nachricht ist: Dieses Bild ist falsch. Die Wahrheit ist, dass es einen Gott gibt, der jeden Menschen radikal liebt und ihm persönlich begegnen möchte. Diese und andere Wahrheiten werden uns in der Bibel offenbart. Heute hat jeder die Chance dies zu seiner eigenen persönlichen Erfahrung zu machen. Nur müssen wir dazu den Blick abwenden von unseren festgefahrenen Vorstellungen von Christentum und uns Jesus zuwenden dem “Anfänger und Vollender unseres Glaubens”. Bis heute trennt das kirchlich traditionelle Christentum viele Menschen von Gott, weil sie glauben: “das ist Christentum, ich kenne es und es bringt nichts und ist wenig glaubwürdig”. Licht ist stärker als Finsternis. Wir wollen deshalb klar auf dem Fundament der Bibel aufbauen. Nur das wird gute und nicht böse Frucht. bringen, denn Gott ist gut und sein Wort führt zum Guten. Darum brauchen wir mehr als ein schönes Ritual für Babys und ein anderes für den Sonntagmorgen. Wir brauchen eine klar auf dem Wort Gottes aufgebaute Entscheidung für Jesus. Wir sind Menschen und kennen den Weg zu Leben mit Gott nicht. Gott kennt ihn und hat ihn uns gezeigt. Nur das Wort Gottes wird für immer bestehen bleiben, wenn „Kirche“ längst Geschichte ist.

Die Grenzen des Wachstums – Links zum vorigen Artikel

Wer mehr lernen will zum Thema Wirtschaftskrise und Geldsystem, dem kann ich folgende Links als Einstieg empfehlen:

 

http://www.berndsenf.de/pdf/Bankgeheimnis%20Geldschoepfung%204.pdf

 

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/08/genesis-teil-1.html

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/09/numeri-teil-ii.html

http://wirtschaftquerschuss.blogspot.com/2009/05/finanzkrise-uberschuldungskrise.html

 

Englisch: http://www.chrismartenson.com/crashcourse

 

Offizielle Erklärung der Bundesbank über die Art und Herkunft des Geldes: http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec2/geld2_gesamt.pdf

Zur Geldschöpfung siehe S. 88 Punkt 4.4!

 

Weitere Quellen zum Geldsystem sind über http://www.querschuesse-forum.eu/topic,318,-unser-geldsystem.html verfügbar.

 

Zum Thema Grenzen des Wachstums / Peak Oil:

Englisch: BBC Doku „a farm for the future“ (video)

 

 

 

http://www.zeit.de/wirtschaft/2010-07/peak-oil

http://www.peak-oil.com/

Die Grenzen des Wachstums

Wie schon im ersten Beitrag dieser Reihe erwähnt, möchte ich hin und wieder zu aktuellen Fragen Stellung nehmen, weil ich glaube, dass wir als Christen gerade heute gut informiert sein sollten. Die Medien werden zunehmend von subtiler Propaganda geprägt und große weltgeschichtliche Umwälzungen stehen bevor. Ich persönlich hoffe, dass diese Geschehnisse der Auftakt für die Vorhersagen der Bibel bezüglich dem Wiederkommen von Jesus sind. Auf jeden Fall aber, ist es das falsche Konzept brav und unwissend auf die Entrückung zu warten. Die weltfremde distanzierte Haltung mancher Christen ist schädlich für sie selber und macht uns für den Rest der Welt irrelevant. Jetzt ist noch eine knappe Zeit der Vorbereitung auf kommende Umwälzungen – für uns und für die Menschen in unserem Umfeld zu denen Gott uns sendet. Zeiten des Umbruchs sind gefährlich, aber auch eine Chance. Zum Beispiel für unseren Glauben, der auf viele der „unlösbaren“ Probleme von heute eine Antwort hat, wenn er sich aus den religiösen Fesseln befreit.

 

Ein bis zwei Prozent Wirtschaftswachstum und alles ist ok.?

Prozentrechnen ist nicht jedermanns Sache. Und nur eine kleine Minderheit aller Schlaumeier kann folgende Frage beantworten: Wie lange dauert es bis sich die Weltbevölkerung verdoppelt, wenn sie jährlich um 1% wächst? Ich habe mich da schau gemacht und möchte euch jetzt nicht mit Mathematik erschrecken, aber man kann es sehr leicht ausrechnen:

Zeit in Jahren bis zur Verdoppelung = 70 geteilt durch Prozentsatz des jährlichen Wachstums.

(Falls Du keine Angst vor Mathematik hast: Wachstumskurven werden durch die sogenannte Exponentialfunktion beschrieben und die Zahl 70 ergibt sich aus dem natürlichen Logarithmus von 2, der 0,6931 ergibt. Mit 100 multipliziert, wegen der Prozente und gerundet ergibt sich 70.)

1% jährliches Wachstum bedeutet also eine Verdoppelung im 70 Jahren. 

7% jährliches Wachstum bedeutet eine Verdoppelung in 10 Jahren.

Das Wachstum der Weltbevölkerung hat sich abgeschwächt und beträgt „nur“ noch 1 bis 1,5%. Das bedeutet aber eine Verdoppelung innerhalb eines Menschenlebens (70 Jahre). Da aber heute schon knapp 7 Milliarden Menschen leben, ist eine erneute Verdoppelung nicht denkbar und es wird auf die eine oder andere Art zu mehr Todesfällen und / oder weniger Geburten kommen. (Weltbevölkerung Wikipedia)

Wirtschaftswachstum ist absolut notwenig für unser kapitalistisches System. Das liegt am Papiergeld. Es hat sehr verkürzt gesagt nur deshalb einen Wert, weil es gegen Zins verliehen werden kann. (Giral)-Geld entsteht in den großen Banken, indem ein Kredit ausbezahlt wird, der fortan dem Guthaben der Bank zugerechnet wird. Alles Papiergeld und natürlich auch das elektronische Geld auf den Konten sind Schulden von irgendjemandem. Niemand würde dieses Geld sammeln, wenn es keine Zinsen abwerfen würde. Damit es Zinsen abwerfen kann, müssen die Schuldner einen Gewinn erwirtschaften, so dass sie die Zinsen bezahlen können. Das System kann nur dann funktionieren, wenn die große Mehrheit der Schuldner einen Gewinn erzielt, der höher ist als die Zinsen. Wenn die Zinsen also im Durchschnitt 5% betragen (ist ein realistischer Wert), dann müssen die Schuldner des Systems (im In- und Ausland) mehr als 5% Gewinn pro Jahr erwirtschaften und alle ihre Betriebe und Geschäfte müssen entsprechend jedes Jahr wachsen. Wenn nun immer mehr Schuldner zahlungsunfähig werden oder die Zahl der potentiellen Schuldner abnimmt – eben die Verschuldung nicht weiter gesteigert werden kann, bricht das System auf irgendeine Weise zusammen. (Das ist eine sehr oberflächliche und unvollständige Darstellung. Zur möglichen Vertiefung habe ich im folgenden Beitrag Links angegeben!)

Wenn du nun hörst: 2% Wirtschaftswachstum sind ein Erfolg, dann denke daran: Wenn das länger anhalten soll, würde es bedeuten, dass sich die Wirtschaft in 45 Jahren verdoppelt. Doppelt so viele Fabriken, Gebäude, Maschinen, Computer, Autos, Straßen ..? Innerhalb einer Generation? Für Deutschland wäre das Wahnsinn und wir hoffen alle, dass Gott uns davor bewahren wird.

Ich bin in Bretten aufgewachsen, einer Stadt östlich von Karlsruhe. Als ich 1971 mit meinen Eltern dort hin zog, war es eine kleine Stadt mit Wiesen und Feldern ringsherum. Zuerst wucherten die Neubaugebiete mit Einfamilienhäusern über die Hügel, dann wurde nach einer Krise der örtlichen Herdindustrie auf Neuansiedlung von Industrie gesetzt. Als ich 2001 wegzog waren die meisten Felder und Wiesen von Industriegebieten bedeckt oder eingerahmt und weitere Siedlungen krochen die Hügel hoch. Dank der erfolgreichen Ansiedlungspolitik gab es Wirtschaftswachstum und Steuereinnahmen – eben „Wohlstand“. Wenn das weitergehen soll – sagen wir 2% Wachstum – dann wird sich die Fläche der Stadt und der Industriegebiete in der nächsten Generation etwa verdoppeln müssen. Was natürlich nicht möglich ist, denn wer wird dann bei einer stagnierenden oder zurückgehenden Bevölkerung doppelt so viel Industrie brauchen? Mal abgesehen von der Umweltzerstörung, die an die Substanz gehen würde. Das ist nicht Politik oder Meinung, sondern Mathematik!

Die Grenzen des Wachstums

1972 (!) wurde eine im Auftrag des „Club of Rome“ erstellte Studie unter dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ (The Limits to Growth) veröffentlicht. Bis heute sind von diesem Buch über 30 Millionen Exemplare in 30 Sprachen verkauft worden. Zitat aus Wikipedia

„Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes waren: Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.Das Erreichen der Wachstumsgrenzen könnte zu einem ziemlich raschen und nicht aufhaltbaren Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität führen, wenn dadurch die Umwelt irreparabel zerstört oder die Rohstoffe weitgehend verbraucht würden.“

Kurz gesagt: Wer heute „mehr Wachstum“ will, gehört zu denen, die mit Vollgas auf die Wand zu rasen und dabei beide Augen fest geschlossen halten. Heute werden viele Milliarden und in USA sogar nahezu Billionen (eine unvorstellbare Zahl) bewegt, nur um das Wachstum dieses in der Sackgasse befindlichen Systems noch einmal in Gang zu bringen und ein paar Jahre Zeit zu gewinnen. Die Kopflosigkeit und Panik der Politiker ist erschreckend. (Manche ergreifen auch schon die Flucht.) 

Eines der drängenden Probleme ist das Wachstum des Kapitals. Immer mehr Kapital entsteht durch Zins und Zinseszins. Es rast um den Globus, um immer neue „Anlagemöglichkeiten“ zu finden, d.h. es sucht Sklaven, die für seine Vermehrung arbeiten, es sucht natürliche Ressourcen die ausgebeutet werden können und (leider) sucht es zwecks weiterer Steigerung auch Menschen, die sich übers Ohr hauen lassen.

Immer neue Bedürfnisse müssen geweckt und gesteigert werden, um neue Geschäfte und Gewinne zu generieren und neue Schuldner zu finden. Das internationale Banksystem gleicht durch die ungebremste Wachstumsdynamik heute einer Art Weltzerstörungsmaschine. Aber keine Panik: Der „Systemcrash“ wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Es will eben nur keiner als der „Schuldige“ in die Geschichtsbücher eingehen, daher wird auf Zeit gespielt.

Vor wenigen Monaten veröffentlichte die Deutsche Bank, dass sie eine Rendite von 25% auf ihr Eigenkapital erreicht habe. Es scheint auch Hedgefonds zu geben, die Zinsen in der Größenordnung von 20%  versprechen und zum Teil erzielt haben. Rechnen wir noch mal nach: 25% Wachstum pro Jahr ergeben eine Verdoppelung in 2,8 Jahren. – Lehnen wir uns also beruhigt zurück, die werden uns nicht mehr lange auf die Nerven gehen!    🙂

Die Lösungsansätze der Bibel

Richten wir unseren Blick lieber auf mögliche Lösungsansätze. Insbesondere für das Problem des Zwangs zum Wachstum durch Zins und Zinseszins gibt es so gut wie keine Antworten in der aktuellen Diskussion. Man scheint sich mit Crash und Beginn eines neuen Zyklus abzufinden. Da dies ein christliches Blog ist, schlagen wir mal die Bibel auf:

Du sollst nicht Zins und Aufschlag von ihm nehmen und sollst dich fürchten vor deinem Gott, damit dein Bruder neben dir lebt. Dein Geld sollst du ihm nicht gegen Zins geben, und deine Nahrungsmittel sollst du nicht gegen Aufschlag geben.

Ich bin der HERR, euer Gott, der ich euch aus dem Land Ägypten herausgeführt habe, um euch das Land Kanaan zu geben, um euer Gott zu sein. Und wenn dein Bruder bei dir verarmt und sich dir verkauft, sollst du ihn nicht Sklavendienst tun lassen. Wie ein Tagelöhner, wie ein Beisasse soll er bei dir sein; bis zum Jobeljahr soll er bei dir dienen. Dann soll er frei von dir ausgehen, er und seine Kinder mit ihm, und zu seiner Sippe zurückkehren und wieder zum Eigentum seiner Väter kommen. Denn sie sind meine Knechte, die ich aus dem Land Ägypten herausgeführt habe. Sie sollen nicht verkauft werden, wie man Sklaven verkauft. Du sollst nicht mit Gewalt über ihn herrschen und sollst dich fürchten vor deinem Gott. (3.Mose 25,36-43)

Gottes Meinung zum Weltfinanzsystem scheint derzeit wenig Beachtung zu finden …  🙂 – Das „Jobeljahr“ ist übrigens ein kontrollierter Neuanfang des Wirtschaftssystems alle 50 Jahre. Das ist Gottes Alternative zu Systemcrash oder Weltkriegen!

Suchst du ein gutes „Investment“? Zur Zeit ist die Chance groß an Gottes Umverteilungsplan teilzunehmen:

Wer seinen Besitz durch Zins und durch Aufschlag vermehrt, sammelt ihn für den, der sich über die Geringen erbarmt. (Spr 28,8)

Was sind die ganz persönlichen Schlussfolgerungen? Wie kann man heute danach leben? Die Antwort liegt in einem einfachen Lebensstil, verbunden mit eine Ausrichtung auf das kommende Königreich Gottes:

Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnügt euch mit dem, was vorhanden ist! Denn er hat gesagt: „Ich will dich nicht aufgeben und dich nicht verlassen“, so dass wir zuversichtlich sagen können: „Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten. Was soll mir ein Mensch tun?“ (Hebr 13,5.6)

Statt durch Zins und Anhäufen vermehrt sich echter Reichtum durch Geben:

Und wenn du dem Hungrigen dein Brot darreichst, und die gebeugte Seele sättigst, dann wird dein Licht aufgehen in der Finsternis, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. Und beständig wird der Herr dich leiten, und er wird deine Seele sättigen an Orten der Dürre und deine Gebeine stärken. Dann wirst du sein wie ein bewässerter Garten und wie ein Wasserquell, dessen Wasser nicht versiegen. (Jes 58,10-11)

Was trügerischer Gewinn ist, werden viele „Anleger“ bald schmerzhaft erfahren. Die meisten Werte stehen nur auf dem Papier oder stellen eine Wette auf den Kurs eines Papiers dar, das wiederum … Da ist es besser einen dauerhaften Lohn und eine Versorgungsbasis von Gott zu haben:

Der Gottlose schafft sich trügerischen Gewinn, wer aber Gerechtigkeit sät, dauerhaften Lohn.

(Spr 11,18)

 

Der Wachstumspfad (7)

„Ich liebe es deinen Willen zu tun.“

Wenn heute jemand vom Willen Gottes redet, dann hört es sich so religiös schwülstig an und irgendwelche unerreichbar fromme Vorbilder kommen uns in den Sinn. Und wir denken: Werde ich mich je dazu überwinden können …? Aber der Wille Gottes ist keine Kröte, die man schlucken muss! Das glauben wir nur, weil unser Denken noch von Vorurteilen gegenüber Gott geprägt ist. Wir brauchen eine Erneuerung unseres Denkens, um zu erkennen, wie wunderbar und erstrebenswert der Wille Gottes für uns ist:

Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, daß ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

(Röm 12,2)

König David hatte kein leichtes Leben und hatte einen weiten Weg zu gehen, bis aus dem Hirtenjungen der König Israels wurde. Er sagte:

Dein Wohlgefallen zu tun, mein Gott, liebe ich; und dein Gesetz ist tief in meinem Innern.

(Ps 40,9)

David hatte große Freude daran den Willen Gottes zu tun. Es lohnte sich für ihn! Er hatte ein reiches erfülltes Leben, wenn es auch keineswegs problemlos war. Er versuchte nicht ängstlich einen Katalog von Vorschriften einzuhalten. Er sagte zu Gott: „Dein Gesetz ist tief in meinem Innern“. Sein Denken war geprägt worden durch das Wort Gottes und der Geist Gottes leitete ihn.

Ein weiteres Beispiel ist Mose, der seinen Reichtum und seine Stellung am Hof des Pharao verlor und schließlich vor der gewaltigen Herausforderung stand ein ganzes Volk aus der Sklaverei zu befreien:

Durch Glauben weigerte sich Mose, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, und zog es vor, lieber zusammen mit dem Volk Gottes geplagt zu werden, als den zeitlichen Genuß der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung.

(Hebr 11,24-26)

Die Männer und Frauen in der Bibel, die uns als „Glaubenshelden“ vorgestellt werden, waren offensichtlich nicht fehlerlos. (Nur Jesus war das reine Lamm Gottes ohne Sünde.) Ihre Motivation Gott zu folgen entstand nicht, weil sie frustriert waren, keine andere Möglichkeit mehr hatten oder weil sie es aus irgendeinem Grund liebten Kröten zu schlucken. – Sie taten es mit Blick auf die Belohnung. Dagegen sträubt sich das religiös geprägte Denken! Wie denkst du über Gott? Ist er ein Gott, der dir Leben gibt oder ein Gott der dich einschränkt und gängelt? Was ist die Wahrheit über Gott? Leben mit Gott ist das wahre erfüllende Leben!

Jesus hatte auch kein einfaches leichtes Leben – ganz zu schweigen von seinem Tod am Kreuz. Er liebte es den Willen des Vaters im Himmel zu tun und die Freude, die er dadurch empfand gab ihm mehr Kraft und Erfüllung als gutes Essen. Kann man das überhaupt vergleichen? Jesus selber sah es so:

Inzwischen hatten ihm seine Jünger zugeredet: „Meister, iss doch etwas!“ Aber er sagte zu ihnen: „Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst.“  „Hat ihm wohl jemand etwas zu essen gebracht?“, fragten sich die Jünger untereinander. Aber Jesus erklärte ihnen: „Ich lebe davon, dass ich Gottes Willen erfülle und sein Werk zu Ende führe.“

(Joh 4,31-34 Üb. „Hoffnung für alle“)

Zum guten Schluss: Wie liebt man einen unsichtbaren Gott?

Die klare Antwort gibt Jesus:

Wie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, so werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. Dies habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde. Dies ist mein Gebot, daß ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete.

(Joh 15,9-14)

Biblische Finanzstrategie – neues PDF

Der Artikel über das Geben und den Zehnten war einer der beliebtesten aus der alten Webseite. Er steht nun hier als PDF zur Verfügung.


Aus der Zusammenfassung:

Nach wie vor kann man nur einem Gott dienen – dem lebendigen Gott oder dem Mammon. Wenn wir mit unserem Geld Gott nicht ehren und keinen echten Gehorsam aus Glauben lernen, werden wir Jesus nicht ernsthaft nachfolgen können. Diese Nachfolge verläuft aber nicht nach Schema F. Auch durch das Geben können wir bei Gott nichts erreichen oder verdienen. Das Geben des zehnten Teils unseres Einkommens ist der biblische Weg, um mit dem Geld Glauben und Gehorsam einzuüben. Mit einem Erfolgsrezept nach dem Motto “tue das und du wirst glücklich” hat das nichts zu tun. Die Lehre des Neuen Testaments in Bezug auf Geld und Geben ist radikal. Das Zehnten-Geben bietet uns einen Einstiegspunkt in diese Dimensionen des Glaubens. Als Schema F führt es dagegen sehr leicht zu einer versteckten Gesetzlichkeit, die den Segen Gottes behindert. Auch beim Thema Geld müssen wir lernen, dem HERRN von Herzen zu gehorchen aus ungeheucheltem Glauben, anstatt uns mit formaler Rechtgläubigkeit zu begnügen.

Der Wachstumspfad (6)

Der Pfad – gut markiert

Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Morgenlicht, heller und heller erstrahlt es bis zur Tageshöhe.

Der Weg der Gottlosen ist wie das Dunkel; sie erkennen nicht, worüber sie stürzen.

(Spr 4,18-19)

Gott hat uns nicht im Unklaren gelassen, wie wir ihn besser kennen lernen können. Es gibt einen klar vorgezeichneten Weg, der uns das Leben mit ihm mehr und mehr real werden lässt. In dem bekannten Gleichnis vom verlorenen Sohn liebt der Vater den Sohn immer und unveränderlich. Alles liegt für den Sohn bereit, aber der muss erstmal tief fallen bevor er sich entschliesst:

Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,

(Lk 15,18)

Er musste sich aufmachen und den Weg gehen. Der Vater kam nicht zu ihm, obwohl er sich sehr nach seinem Sohn sehnte. Der Vater wartete bis der Sohn eine Entscheidung getroffen hatte und sich aufgemacht hatte. Dann lief er ihm eilig entgegen:

Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und wurde innerlich bewegt und lief hin und fiel ihm um seinen Hals und küßte ihn.

(Lk 15,20)

Gott sehnt sich sehr danach mit dir zusammen zu sein – viel mehr als du es tust – und er wir dir eilig entgegenkommen.

In seinem Brief schreibt der Apostel Petrus:

eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis, in der Erkenntnis aber die Enthaltsamkeit, in der Enthaltsamkeit aber das Ausharren, in dem Ausharren aber die Gottseligkeit, in der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe.

(2. Petr 1,5-7)

Der hier wiedergegebene Text der Elberfelder-Übersetzung enthält sehr viele altertümliche Begriffe. Ich stelle deshalb den Text aus der modernen Übertragung „Hoffnung für alle“ (siehe Seite „Urheberrecht“) daneben:

Deshalb setzt alles daran, Gott zu vertrauen, und zeigt das durch ein vorbildliches Leben.

Jeder soll sehen, dass ihr Gott kennt. Diese Erkenntnis Gottes zeigt sich in eurer Selbstbeherrschung. Selbstbeherrschung erfordert Ausdauer, und aus der wiederum erwächst wahre Liebe zu Gott. Wer Gott liebt, wird auch seine Brüder und Schwestern lieben, und schließlich werden alle Menschen diese Liebe zu spüren bekommen.

Der Wachstumspfad verläuft also von Selbstbeherrschung über Geduld und Ausdauer zu einer Liebesbeziehung zu Gott. Diese überfließende Liebe zeigt sich dann zuerst an den Beziehungen zu andern Christen (Gemeinde) und wird dann auch für alle anderen Menschen deutlich sichtbar.

 

Einen Vorgeschmack bekommen

Wenn du dich nach mehr von Gott sehnst, machst du dich auf die Socken und suchst nach Leuten, die dir weiterhelfen können oder du besuchst Konferenzen oder Gemeinden, die bekannt dafür sind, dass man Gott dort  intensiver erleben kann als anderswo. Oder du suchst Gottes Nähe allein an einem einsamen Ort. Du beschäftigst dich mit dem Wort Gottes – der Bibel – und du bittest Gott dir sein Wort zu erklären und aufzuschließen. Dann wird es nicht lange dauern, bis du erste Erfahrungen mit Gott machst. Sind Erfahrungen wichtig oder sollte man nicht „einfach so“ glauben? Sicher ist es richtig, dass Gott uns mit der Zeit dahin bringen will sogar entgegen unseren Erfahrungen ihm zu vertrauen, aber das kann nicht der Einstieg sein. Der Anfang ist, dass Gott den schwachen Glauben, der in uns aufkeimt durch Erfahrungen seiner Güte und Gegenwart stärkt. Wir brauchen das. Diese Erfahrungen wecken die Sehnsucht nach einem Leben in Gottes Nähe und unter seiner Führung. Sie ziehen uns zu ihm. Plötzlich wird klar: Es geht nicht um Religion oder Ideologie, sondern um ein ganz neuen Weg zu leben.

Schmecket und sehet, daß der HERR gütig ist! Glücklich der Mann, der sich bei ihm birgt!

(Psalm 34,9)

 

Durch Glauben und „Ausharren“

Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet, indem ihr erkennt, daß die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt.

(Jakobus 1,2-4)

Durch vielerlei Hindernisse und Herausforderungen lernen wir am Glauben festzuhalten und trotz widerstreitender Gefühle und „Versuchungen“ in der Selbstbeherrschung zu bleiben. Das ist „Ausharren“. Eben nicht zu tun, was der Bauch sagt, sondern was der Geist Gottes in uns sagt. Nach den ersten verkrampften Versuchen es alleine zu erreichen, lernen wir mehr über die Wege Gottes – darüber auf ihn zu schauen, die Gedanken mit Lobpreis und Dankbarkeit zu füllen und vieles andere. So lernen wir Gott auf seinem Weg kennen und werden gleichzeitig verändert für ein neues Leben.

„Selbstbeherrschung erfordert Ausdauer, und aus der wiederum erwächst wahre Liebe zu Gott.“

Warum? Weil wir auf dem Weg des „Ausharrens“ Gott kennenlernen und mehr und mehr von ihm begeistert sein werden. Wie soll man denn jemand lieben, den man nicht kennt? Wie soll man eine neues Leben bekommen, wenn man das alte nicht verlassen will?

So wie Jakobus sagt: „Das Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollendet seid und in nichts Mangel habt.“ – Wer Gott „hat“ dem fehlt nichts.

Der Wachstumspfad (5)

Gott ist den Aufwand wert

Wahre Erkenntnis Gottes, die mich tiefgreifend verändert kommt, wenn wir uns fleißig darum bemühen. Das hört sich wie Werkgerechigkeit an, ist aber wahr. Petrus sagt in unserem Text (2.Petr 1,1-15): “eben deshalb wendet aber auch allen Fleiß auf …” Wir dürfen solche Aussagen nicht einfach mit dem Argument wegdrücken “Gott hat schon alles getan …”. Gott hat tatsächlich schon alles getan, aber was tust du, um diese kostbaren Dinge zu empfangen? Mit Lässigkeit wirst du gar nichts bekommen – das steht schon in den Sprüchen (Spr 12,27, vergl. 2.Chr 29,11). Täglich die Bibel zu lesen und zu beten ist auf Dauer unverzichtbar. Am besten ganz ohne religiösen Leistungsdruck. Ich habe damit angefangen jeden Tag ein Kapitel zu lesen und weil ich viel Zeit (und viele Sorgen) hatte, bin ich alle zwei Tage ca. eine Stunde mit Gott spazieren gegangen. Sicher gibt es Zeiten in denen die Umstände dies verhindern, aber solange dir Fernsehen wichtiger ist als eine kurze Zeit mit Gott, hast du noch nicht genug Hunger nach Gott, um wirklich etwas von Ihm zu bekommen. Wenn wir den Wert von Verheißungen wie “Anteil haben an Gottes Natur” erkannt haben, werden wir nicht lässig sein und Gott unsere Wertschätzung für seine Verheißungen ausdrücken, indem wir fleißig mit ihm zusammenarbeiten.

 

Es geht Gott auch darum überhaupt einen Rahmen zu schaffen in dem das wunderbare, göttlich-tolle Leben, das er uns geben will überhaupt existieren kann. Mein Problem war z.B., dass ich sehr passiv und depressiv war und kaum etwas arbeiten konnte. Es gab auch keine Möglichkeit dazu, denn ich war arbeitslos. Und so gibt es oftmals „Teufelskreise“ in den wir festsitzen und aus denen wir nur durch Gottes Eingreifen befreit werden können. Das setzt aber auch voraus, die Grenzen des gewohnten und uns so bequem gewordenen Lebens zu überschreiten. Nur so zeigen wir Gott deutlich, dass wir dieses Leben wirklich verlassen wollen. Jesus hat manchmal sogar die schwer Kranken gefragt: „Willst du geheilt werden?“ (Joh 5,5+6). Was sich wie eine arge Zumutung anhört, ist für Gott unverzichtbar. Er will keine Sklaven, sondern Menschen, die Ihm freiwillig und aus echter Freundschaft folgen. Niemand wird mit Segnungen oder Heilung „bestochen“ oder irgendwie gezwungen. Gott benutzt viele Dinge, um uns zu sich zu ziehen, aber immer kommt irgendein Punkt, wo es nur noch weitergeht, wenn wir es von ganzem Herzen wollen. Sonst könnten wir das Neue auch nicht lange behalten und würden immer zwischen dem Alten und dem Neuen hin und her schwanken, wie viele es ja auch tun. Wir werden befreit, durch Gottes gnädiges Eingreifen, sobald wir uns zu dem festen Entschluss durchgekämpft haben, das alte Leben zu verlassen und dann bleiben wir frei, indem wir entschlossen und fleißig mit Gott zusammenarbeiten.

Jesus hat gesagt:

und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachkommt, kann nicht mein Jünger sein. (Lk 14,27)

Wer nicht sein natürliches Leben in seinen alltäglichen Widerwärtigkeiten und Herausforderungen überwindet und es nicht lernt seine körperlichen Begierden zu zügeln oder wer es nicht lassen kann lose daherzureden der kann eben nicht ein Jünger von Jesus werden. Er will vielleicht, aber er kann nicht.

Sünde ist ja nicht deshalb schlecht, weil sie zu irgendwelchen religiösen Problemen führt, sondern weil sie dein Leben zerstört und das auffrisst, was eigentlich dir gehört! – Das was Gott dir an Gutem geben will! Jesus hat schlicht „Leben“ versprochen:

Denn so hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. (Joh 3,16)

Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Joh 3,36)

wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt. (Joh 4,14)

Dieses Leben ist wertvoll und du musst es gut festhalten, denn es ist hart umkämpft. Wenn du es loslässt – durch mangelnde Disziplin – schadest du dir selber. Das an für sich positive Wort „Disziplin“ wird in vielen Übersetzungen auch mit dem heute weniger verständlichen Wort „Zucht“ übersetzt, meint aber das selbe:

Wer Zucht fahren läßt, verachtet sich selbst;

(Spr 15,32)

 

Der Wachstumspfad (4)

Von ganzem Herzen erwünscht – ein neues Leben von Gott

Die wahre Erkenntnis Gottes geht weit über Wissen hinaus, wie auch an der Geschichte von Josef und seinen Brüdern deutlich wird. Sie wird dich verändern, so dass andere (!) es bemerken. Deshalb fängt Glauben und Leben mit Gott immer mit der Veränderung deines alltäglichen Privatlebens an. Und jeder Wachstumsschritt ist ein Veränderungsschritt, der uns Jesus ähnlicher macht. Alles andere ist (Selbst-) Betrug.

Das bringt dich unter Druck? Mich auch, denn ich weiss, dass ich mich kaum selbst verändern kann. Schon gar nicht in Bereichen in denen ich schwach bin. Gott steht bereit, um uns aus seiner reinen und selbstlosen Liebe heraus zu verändern. Wenn man diese Gnade empfangen will, muss man oft erstmal erleben, dass man es selbst nicht kann. Diese demütige Haltung erreicht man aber nur, wenn man ernsthaft versucht eine Veränderung zu erreichen. Sonst bleibt es bei etwas, dass den guten Vorsätzen am Neujahrstag sehr ähnlich ist. Nur dass dann jede Woche – meist am Sonntag – Neujahr bei dir ist.

Nichts aber auch gar nichts kann man von Gott empfangen, wenn es nicht erstens um Gott geht (du liebst Ihn mehr als dass, was du erbittest oder Deine Bitte richtet sich auf etwas was Gott ehrt) und du es zweitens von ganzem Herzen willst! Die Dinge die Gott geben will, sind wertvoller als alle Schätze dieser Welt und werden nicht wie saures Bier angeboten. Gott hat sinngemäß immer wieder gesagt: Wenn du mich von ganzem Herzen suchst, will ich mich von dir finden lassen.“ (5.Mose 4,29, Jer 29,13, Lk 11,9 und andere) 

Der erste Schritt des Weges in die Fülle Gottes ist also die Veränderung deines ganz persönlichen Privatlebens. Wichtig sind dabei:

Mit Gottes Hilfe negative Gewohnheiten ablegen: Gott wird dir wenige klare Punkte vorlegen, an denen sich entscheidet, ob du an deinem bisherigen Leben festhalten möchtest oder ob du bereit bist dich selbst zu verleugnen und das neue Leben zu empfangen.

Im Licht leben: Nicht frömmer erscheinen als man ist (Phil 2,3). Auch vor sich selber ehrlich sein und die eigene Situation realistisch einschätzen. 

Auf Gottes Hilfe vertrauen, mit Ihm zusammen sein, beten und dranbleiben.

Leben im Königreich

Alle Dinge, die wir uns so sehr von Gott ersehnen sind ja im „Reich Gottes“ – und das Reich Gottes ist dort, wo Gott regiert und schaltet und waltet wie er will. Und bevor du in der Autorität und der Kraft dieses Reiches gehen kannst, muss dieses Reich erstmal zu dir selber kommen. Bevor du anderen dienen kannst mit Glauben und Vollmacht musst du erstmal für dein eigenes ganz privates Leben glauben und mit Gott gehen. Es hat auch keinen Zweck ein Leiter in der Gemeinde Jesu werden zu wollen, bevor du nicht dein eigenes Leben mit Gottes Hilfe leiten kannst.

Es ist manchmal frustrierend monatelang oder gar jahrelang damit zu kämpfen, dass ich nicht mehr von meinen alten Leben beherrscht und gesteuert werde, sondern vom Heiligen Geist, aber es ist notwendig, denn es kann nicht sein, dass aus einer Quelle süßes und bitteres Wasser fließt (Jak 3,11) und man kann z.B. auch nicht mit einem Auto fahren, das von zwei Lenkrädern gesteuert wird und die beiden Fahrer wollen in die entgegengesetzte Richtung.

Mit Gott leben ist einfach

Oft wird der Eindruck vermittelt, es sei schwierig im Alltag mit Gott zu leben. Man denkt an all die religiösen Übungen, die man absolvieren sollte oder man fürchtet sich davor, sich mit Gott und all seinen Ansprüchen etwas aufzuhalsen. Dieses falsche Bild von Gott ist auch eine Frucht zahlloser Predigten, die immer wieder betonen, dass du dich Gott „völlig hingeben“ sollst, aber dann kein klares Bild vermitteln, wie ein Leben mit Gott im Alltag aussehen kann. Ich habe Leute getroffen, die mir sinngemäß sagten: „Wenn Gott zu mir spricht, dann wird er sicher nur sagen: „Geh‘ als Missionar nach Afrika!“ – und da will ich nicht hin.“

Eine weitere Möglichkeit sich in komplizierten religiösen Dingen zu verheddern, ist die intensive Beschäftigung mit sich selbst. Man betrachtet endlos die eigene Befindlichkeit, die Gefühle und widmet sich Fragen wie: „Warum fühle ich mich in dieser Situation so – welche Prägungen aus meiner Kindheit sind dafür verantwortlich?“ Sicher ist es gut am Anfang des Wegs mit Jesus die Vergangenheit zu bereinigen und loszulassen! Gott hat z.B. gesagt, dass unser Verhältnis zu unseren Eltern entscheidend für unseren weiteren Lebensweg ist. Das ist aber keine Aufforderung die selbstzentrierte Beschäftigung mit meinem Leben religiös auf die Spitze zu treiben! Ziel ist vielmehr das alte Leben los zu lassen und die Dinge, die aus der Vergangenheit nach uns greifen zu bereinigen.

Ist es wirklich so schwierig, kompliziert oder nur durch radikale Massnahmen zu erreichen? Die Bibel behauptet es sei einfach und naheliegend:

Die Gerechtigkeit aus Glauben aber sagt so: Sprich nicht in deinem Herzen: «Wer wird in den Himmel hinaufsteigen?» das ist: Christus herabführen; oder: «Wer wird in den Abgrund hinabsteigen?» das ist: Christus aus den Toten heraufführen. Sondern was sagt sie? «Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.» Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen,

(Röm 10,6-8)

Du brauchst nicht perfekt werden und in den Himmel hinaufsteigen und du brauchst auch nicht durch die Hölle gehen und in der Finsternis nach Ursachen suchen. Es gibt eine „Gerechtigkeit aus Glauben“, die dir die Möglichkeit gibt beständig in Gottes Gegenwart zu bleiben. Und der Kern dieser wunderbaren Gerechtigkeit vor Gott ist: „Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.“ Gleich zu Beginn unseres Wegs mit Gott legt er uns wenige einfache Schritte vor, die naheliegend, praktisch, machbar und angemessen sind. Wir wissen es einfach. Wenn wir sie befolgen führt er uns wunderbar weiter und wir werden auf dem Weg verändert, so wie wir es niemals machen oder arrangieren könnten! Wenn wir sie nicht befolgen, verstricken wir uns in selbst gemachter Religiosität, Leistungsdruck und komplizierten Gedanken. Was hat Gott dir zum Anfang auf Herz gelegt? Wo bist du stehen geblieben? – Sein Geist wird dich in alle Wahrheit leiten! (Joh 16,13)

Der Wachstumspfad (3)

Der Weg

Bisher hat sich das ja so angehört, als hätten wir einfach alles von Gott – oder als hätten wir eben nichts. Je nachdem, ob wir durch den Heiligen Geist bewirkte Erkenntnis Gottes haben oder nicht. Dies führt aber in eine Sackgasse des Glaubens, weil wir dann entweder uns und anderen vorspielen müssen alles schon zu haben oder wir bleiben passiv und verzagt und halten uns für Christen zweiter Klasse, die eben so gut wie nichts haben. Petrus bleibt aber hier nicht stehen und zeigt uns einen Weg auf dem die Erkenntnis Gottes immer größer wird und der uns kraftvoll verändert:

Denn wenn diese Dinge bei euch vorhanden sind und zunehmen, lassen sie euch im Hinblick auf die Erkenntnis unseres Herrn Jesus Christus nicht träge und nicht fruchtleer sein. Denn bei wem diese Dinge nicht vorhanden sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung von seinen früheren Sünden vergessen. Darum, Brüder, befleißigt euch um so mehr, eure Berufung und Erwählung fest zu machen! Denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals straucheln. Den so wird euch reichlich gewährt werden der Eingang in das ewige Reich unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus.

(1.Petr 1,8-11)

“Diese Dinge” waren Petrus sehr wichtig. Er schreibt:

Deshalb will ich Sorge tragen, euch immer an diese Dinge zu erinnern, obwohl ihr sie wißt und in der bei euch vorhandenen Wahrheit gestärkt (Andere Üb.: gefestigt) seid. Ich halte es aber für recht, solange ich in diesem Zelt bin, euch durch Erinnerung aufzuwecken, da ich weiß, daß das Ablegen meines Zeltes bald geschieht, wie auch unser Herr Jesus Christus mir kundgetan hat. Ich werde aber darauf bedacht sein, daß ihr auch nach meinem Abschied jederzeit imstande seid, euch diese Dinge ins Gedächtnis zu rufen.

(2.Petr 1,12-15)

(Mit dem “Zelt” ist der sterbliche Körper gemeint – eine vorübergehende Behausung .)

In Vers 13 heißt es: „durch Erinnerung aufzuwecken“, d.h. diese Botschaft, die Petrus hier gibt, dient dazu die Gläubigen aufzuwecken, es ist eine Erweckungsbotschaft, die bewirken kann, dass wir all die herrlichen Dinge, die Gott uns in Christus gegeben hat auch bekommen.

Was sind nun “diese Dinge”, was ist der Weg? Zuerst gibt der Apostel eine herausfordernde Erkenntnis weiter:

 

Wer Gott kennt, lebt anders – man sieht es!.

Deshalb setzt alles daran, und beweist durch einen vorbildlichen Lebenswandel, daß ihr an Gott glaubt. Jeder soll sehen, daß ihr Gott kennt.

(2.Petr 1,5 – Übersetzung “Hoffnung für alle”)

Kann man es sehen, ob ich Gott kenne und wie nahe ich ihm stehe? – Ja! Früher habe ich das nicht so gesehen und ich war es gewohnt, dass in religiösen Dingen eben mehr Schein als Sein steckt. Immer wieder habe ich auch gehört, dass Gott ja das Herz ansieht (1. Samuel 16,7) und dass wir uns deshalb gar kein Urteil über andere bilden dürfen und stets davon ausgehen müssen, dass jeder der Herrn von ganzem Herzen liebt. Das ist erstens kaum praktikabel und ausserdem führt es zur totalen Verwirrung in der Gemeinde, indem dann auch das Schlechte für gut gehalten werden muss. Das Richten und das üble Reden übereinander bekommt man damit erfahrungsgemäß trotzdem nicht in den Griff. Es entsteht eine heuchlerische Atmosphäre in der keine Jüngerschaft und Korrektur mehr vermittelt wird und stattdessen alles mit einer bequemen Einstellung zur Seite geschoben wird. Das Problem kann ja nicht sein, dass wir erkennen, wie es um den andern steht, dann wäre ja Wahrheit das Problem in der Gemeinde. Das Problem sind doch Einstellungen wie Stolz (Überheblichkeit), Lieblosigkeit, mangelnder Respekt usw., die uns daran hindern den Anderen so zu sehen wir er / sie ist und trotzdem voll und ganz anzunehmen. Wenn wir in Gottes Nähe sind, werden wir alle verwandelt und es wird in einer liebevollen Atmosphäre auch leicht sein Korrektur anzunehmen und zu vermitteln.

Zurück zum Thema: Ein Glauben, der aus Wissen und religiösem Verhalten besteht, ist peinlicherweise für jeden, der den Weg mit Gott gegangen ist deutlich als Fälschung zu erkennen. Man weiss ja, wie man früher drauf war und wie Gott einem da heraus geholfen hat. Und man sieht es auch bei anderen. Auch mir wurde eines Tages peinlich bewusst, dass man „es“ sieht. Diese Geschichte möchte hier erzählen:

Als ich auf der Bibelschule war, mussten wir eine Arbeit über den Unterricht eines bestimmten Lehrers schreiben. Und ich war besonders schlau: ich hatte nämlich gemerkt, dass der ganze Unterricht aus einem Buch von Derek Prince war. Und ich habe dann alle Antworten aus diesem Buch genommen und außerdem habe ich das ganze noch mit einigen persönlichen Weisheiten verfeinert. Ich war ziemlich ehrgeizig in dieser Sache und habe lange daran gearbeitet, denn ich hatte gemerkt, dass dieser Lehrer irgendwie keine allzu hohe Meinung von mir hatte und ich wollte ihm voller falschem Ehrgeiz mal zeigen, dass ich sogar bessere Antworten geben kann als Derek Prince.

Schließlich bekamen wir die Arbeit zurück und ein Haufen Leute stand gerade in meinem Zimmer und hat verglichen, was für Kommentare unter den Arbeiten standen. Der Lehrer hatte jedem einen ermutigenden Kommentar unter die Arbeit geschrieben, wie zum Beispiel: „Gut! Mach weiter so!“ Da wurde ich gefragt: Was steht unter deiner Arbeit? Alle wussten, dass ich versucht hatte Derek Prince zu übertreffen. Und ich bin dann extra die Treppe hinunter gegangen, um meine Arbeit aus dem Postfach zu holen. Und noch auf der Treppe habe ich den Kommentar gelesen: „Wolfram, du hast viel von Gott erkannt, doch lebe in dieser Erkenntnis!“. Ich war empört und bat den Lehrer um einen Gesprächstermin. Ich war sicher er würde diese Aussage nicht belegen können. – Aber er konnte es und er erklärte mir an einigen Beispielen meines täglichen Verhaltens, dass ich keine Gottesfurcht hätte. Leider hatte er recht – ich wusste nicht einmal was Gottesfurcht eigentlich ist und wie sie in der Praxis aussieht. Ich hatte das Thema “die Furcht Gottes”, über das in der Bibel viel gesagt wird, irgendwie übersehen und noch viel wichtiger: Ich sah mit Gottes Hilfe, dass mein Wissen und mein tatsächliches alltägliches Verhalten nicht zusammenpassten.

Danach war ich in Schwierigkeiten und es begann eine Zeit, die nicht einfach war und in der ich mich sehr nach dem Herrn ausgestreckt habe – ich oft den Eindruck hatte in der Sackgasse zu stecken und ich auch vom Herrn gedemütigt wurde, weil ich erkannt habe, wie es wirklich um mich steht und dass ich wenig tun kann. Immer wieder betete ich einen Vers den ich in den Psalmen gefunden hatte:

Lehre mich, HERR deinen Weg: ich will wandeln in deiner Wahrheit! Fasse mein Herz zusammen zur Furcht deines Namens!(Ps 86,11)